Di
01
Jun
2010
Eine Küche wird zum Kochlabor
Ein großer Raum mit hohen Sprossenfenstern – weiße Stützen, weiße Wände, weiße Bodenfliesen. Darin acht freistehende Küchenzeilen, vier in jeder Reihe, ebenfalls weiß und penibel sauber. Flächenbündige Induktionskochfelder, auch ein Markenzeichen der livecookintables, fügen sich in die makellos hellen Arbeitsplatten. Griffbereit hängen an einer Stahlreling über den Kochinseln Instrumente wie Schöpfer, Schwingbesen und Sieb. In den Schubladen wartet Profigerät vom Elektromixer bis zur Schneidemaschine auf seinen Einsatz. Mannshohe Kühlschränke stehen entlang der Wände bereit.
Der Showroom in Traunreut kommt dem wohl am nächsten, was man ein Kochlabor nennen könnte.
Norbert Fischbach und Simone Heckmann werden mit Unterstützung ihrer Gäste und mit Hilfe von Profikoch Michael Fell an diesem Nachmittag den Werkstoff Rhabarber auf seine Eigenschaften hin testen.
Sie werden ihn in Stücke hacken, in dünne Scheiben schneiden, zu einer Matte flechten, zu Schaum schlagen und zu Mus verkochen. Das Team möchte herausfinden, ob das Knöterichgewächs abseits des altbekannten Kompotts noch andere Qualitäten hat, sowohl in seiner Materialität und Struktur als auch in verschiedenen physikalischen Aggregatszuständen. Damit greifen die beiden Rezepterfinder, die ansonsten Arbeitskollegen sind, auf eine Vorgehensweise zurück, die sie als Planer und Gestalter auch bei ihren Projekten für die pmg architektur + design einsetzen, sei es für temporäre Bauten, Rauminszenierungen oder den livecookintable.
Bei der Entwicklung freier Formen untersuchen sie oft spielerisch, welchen Einsatz ein Material konstruktiv wie auch gestalterisch zulässt und welche Formen durch die Merkmale des Werkstoffes an Ausdruck gewinnen. »Es ist uns wichtig, ehrlich mit den Materialien umzugehen, also das Maximale herauszuholen, ohne den Grundcharakter der Stoffe zu zerstören«, sagt Simone Heckmann. »Aber wenn ich nicht weiß, wie sich ein Werkstoff verhält, kann ich ihn nicht richtig einsetzen, weder in der Architektur noch in der Küche«, fügt Norbert Fischbach hinzu und erklärt damit gleich Sinn und Zweck der anstehenden Rhabarber-Studie.
livecookintable®
